Großstädter regional ernähren

In einer Studie hatte die Hamburger HafenCity Universität (HCU) gezeigt, dass Bauern aus einem Umkreis von 100 Kilometern die Bewohner von Hamburg und dem Umland vollständig versorgen könnten (siehe Link in melas Montag – KW 51+52_2016). Auch Ernährungs- und Agrarwissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) sagen, dass es prinzipiell möglich ist, Großstädte überwiegend regional zu ernähren. Die Forscher haben Angebot und Nachfrage von Lebensmitteln am Beispiel Berlin miteinander verglichen.

Die Studie wurde in der aktuellen Ausgabe der Ernährungsumschau veröffentlicht.

Importe verbrauchen viel Fläche im Ausland

Als Grundlage verwendeten die Wissenschaftler Daten aus der letzten Nationalen Verzehrsstudie und aus der nationalen und internationalen Agrarstatistik. Daraus berechnete Erst-Autorin Susanna Hönle die Flächenbilanz verschiedener Lebensmittel, also wie viel Ackerfläche im In- und Ausland für die Erzeugung unserer täglichen Nahrung verbraucht werden. Das Ergebnis: 72 Prozent der Lebensmittel für die Berliner Bevölkerung wird in Deutschland erzeugt, ein Fünftel kommt aber aus dem außereuropäischen Ausland zu uns, der Rest aus Europa. UND: Durch Lebensmittel-Importe nach Deutschland werden mehr Flächen in Anspruch genommen, als durch deutsche Exporte ausgeglichen werden. Die Absolventin der Ernährungswissenschaften Hönle dazu:

Angesichts knapper werdender Ressourcen stellt das unsere aktuellen Konsummuster in Frage.

Dies negative Flächenbilanz ließe sich durch einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln verbessern. Denn durch Verschwendung – im privaten Umfeld als auch in der Gastronomie und im Einzelhandel – lande ein großer Teil im Müll. Ko-Autor Dr. Toni Meier vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU:

Von den fast 2.400 Quadratmetern, die jede Person in Berlin durchschnittlich über den Globus verteilt für ihre Versorgung beansprucht, wird nur der Output von weniger als zwei Dritteln tatsächlich verzehrt.

Meier betont, dass sich allein durch weniger Abfall ein enormes Einsparpotential ergäbe.

Flächen für die Selbstversorgung sind da

Zudem untersuchten die Wissenschaftler, ob die landwirtschaftlichen Flächen im an Berlin angrenzenden Brandenburg ausreichen könnten, um Berlin weitgehend regional zu versorgen. Momentane Tatsache ist, dass viele Landwirte wenige Kulturen, wie Mais, Raps und Weizen, anbauen, diese aber überwiegend als Futtermittel oder zur Energiegewinnung verwendet werden. Der Anbau von Obst, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten ist dagegen vergleichsweise selten. Die Forscher haben ermittelt, dass grundsätzlich ausreichend Flächen für eine Selbstversorgung vorhanden sind. Voraussetzung für eine stärkere Fokussierung auf regionale Lebensmittelerzeugung müsste aber sein, regionale Versorgungsnetze dezentraler aufzustellen, damit die Wege kürzer wären, die Lebensmittel vom Produzenten zum Konsumenten zurücklegen müssen. Komplett auf Kiwis, Schokolade und Kaffee müssten die Verbraucher deshalb nicht verzichten, betonen die Forscher. Es reiche, die Ernährung stärker an das Angebot an regionalen und saisonalen Produkten anzupassen.

Studie: Hönle SE, Meier T, Christen O (2017) Land use and regional supply capacities of urban food patterns: Berlin as an example. Ernährungs-Umschau 64(1): 11-19, doi: 10.4455/eu.2017.003

Quelle: idw-online.de

Bildquelle: Flickr/BOKU, Lizenz: CC BY-ND 2.0 DE

Über Melanie Kirk-Mechtel (150 Artikel)
Diplom-Oecotrophologin mit Webaffinität, Fachjournalistin und PR-Redakteurin. Das Wörtchen "mela", das in Melanie steckt, heißt auf Italienisch übrigens "Apfel". Der grüne Apfel in meinem Header steht außerdem für meine beiden Kernthemen Ernährung & Nachhaltigkeit. Wenn Sie Unterstützung im Bereich Kommunikation benötigen, freue ich mich auf Ihre Nachricht!

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