Regionale Lebensmittel

Kohlrabi aus eigener Ernte

Achtet ihr beim Einkauf darauf, woher Obst, Gemüse, Fleisch oder Eier kommen? Ich versuche das schon, wobei es manchmal nicht so einfach ist, weil zum Beispiel im Supermarkt das als regional gekennzeichnete Gemüse in Plastik verpackt ist oder viele Produkte gar nicht aus der Region zu bekommen sind. Um das zumindest teilweise zu umgehen, nutze ich seit einiger Zeit auch alternative Einkaufsmöglichkeiten wie die Marktschwärmer oder unseren kleinen Bauernmarkt in der Bonner Altstadt. Da ich gerade für das Themenportal „Nachhaltiger Konsum“ des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) einen Artikel zum Thema schreiben durfte (den Artikel habe ich ganz unten in diesem Blogbeitrag verlinkt), habe ich mich an die eigene Nase gefasst und mal resümiert, wie es eigentlich bei mir persönlich aussieht mit dem regionalen Einkauf.

Wo kaufe ich eigentlich ein?

Supermärkte

Um eins mal vorweg zu sagen: Der Chef-Einkäufer in unserer Familie ist mein Mann. Ich bin nur ab und zu dran und checke dann intensiv das Angebot, damit ich weiß, was ich beim nächsten Mal auf den Einkaufszettel schreiben kann ;-). Dann habe ich aber meist auch ganz bestimmte Vorstellungen und gebe vor, dass zum Beispiel der Spargel am besten aus der Region und auch noch Bio sein soll, was aber nicht immer so hinhaut. Zumindest nicht in unserem Standard-Supermarkt, einem REWE direkt um die Ecke. Zum Glück haben aber auch die Supermärkte (und auch die Discounter) umgedacht und bieten zunehmend Produkte aus der Region an. So gibt es in unserem Supermarkt eine eigene Regionalmarke, und soweit ich es beurteilen kann, stammen die so gelabelten Lebensmittel wirklich aus der Region, zum Beispiel aus dem Rheinland. Die blöden Plastikverpackungen stören natürlich – aber man kann ja nicht alles haben.

Regionale Produkte REWE

Wenn wir es uns mal gutgehen lassen möchten, fahren wir gerne mit dem Fahrrad ein paar hundert Meter weiter zum Einkaufszentrum, wo ich im Baumarkt auch noch schnell Blumenerde mitnehmen kann. Außerdem gibt es einen Fischladen und einen EDEKA mit Bedientheken für Fleisch, Wurst und Käse. Ganz nach dem Motto „Wir lieben Lebensmittel“ ist die Auswahl sehr groß und ausgewählt. Man muss sich natürlich erstmal einen Überblick verschaffen, aber die inhabergeführten Supermärkte haben in der Regel verschiedenste Kooperationen mit Lieferanten aus der Region. So finde ich dort z. B. auch Käse von einem Anbieter aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Und beim Fleisch lohnt es sich auch mal zu fragen, woher es eigentlich kommt. Denn da gibt es beispielsweise bei Rindersteaks sowohl Angebote aus Argentinien als auch aus NRW.

Marktschwärmerei

Passantenstopper MarktschwärmereiSeit drei Jahren bin ich Mitglied in der Marktschwärmerei Bonn Altstadt – und ich liebe es! Montags wird der Online-Verkauf eröffnet und freitags kommt noch einmal eine Erinnerungsmail. Am Montag darauf in einem arbeitnehmerfreundlichen Zeitraum zwischen 17.30 und 19 Uhr kann ich die Bestellung im Quartiersbüro ganz in meiner Nähe abholen. Die Erzeuger kommen summa sumarum aus einem Umkreis von maximal 30 Kilometern und bieten eigentlich alles an, was man so braucht – von Obst, Gemüse, Pilzen, Kräutern und Nüssen (plus daraus hergestellte Produkte) über Brot und Backwaren, Eier Milch und Milchprodukten über Fleisch und Wurst bis zu Wein und Bier, Feinkost und zum Beispiel auch handgemachter Rasierseife. Die Mitgliedschaft verpflichtet nicht zum Kauf, aber ich nutze das Angebot regelmäßig. Ein Vorteil in der Corona-Krise ist auch, dass die persönliche Verteilung der bestellten Produkte ganz schnell umorganisiert wurde. So wurde alles schon vorab zusammengepackt und draußen vor dem Gebäude übergeben. Da fehlt natürlich der persönliche Kontakt zu den Produzenten – ein wesentlicher Aspekt des Konzepts –, was sich aber hoffentlich bald wieder ändert.

Über die Marktschwärmerei habe ich im Rahmen der Supermarkt-Challenge von Aktion Agrar im Oktober 2018 schon ausführlicher berichtet. Den Blogbeitrag dazu habe ich hier angeteasert: melaniekirkmechtel.de/ernaehrung/supermarkt-challenge-tag-3-und-4

Unser Bauernmarkt

Auch über den Bauernmarkt, zu dem ich einfach ein paar hundert Meter die Straße hoch laufen muss, habe ich während der Supermarkt-Challenge schon berichtet. Den Blogbeitrag dazu findet ihr auf aktion-agrar.de unter dem Titel Challenge-Donnerstag: Stadt-Land.Markt. Und hier im Blog in der Zusammenfassung mit noch ein paar Extra-Fotos. Außerdem hatte ich in der Anfangszeit des Marktes im Sommer 2018 schon berichtet: melaniekirkmechtel.de/ernaehrung/unser-bauernmarkt-fuer-die-bonner-altstadt. Und das nicht von ungefähr. Denn wie ihr im Blogbeitrag lesen könnt, bin ich auch Mitglied in dem Verein, der den Bauernmarkt ins Leben gerufen hat und organisiert. Mittlerweile findet er nicht mehr auf dem Kirchvorplatz statt, sondern auf dem Bürgersteig neben dem Hallenbad gegenüber. Aber wir sind froh und dankbar darüber, dass die Sanierung des Kirchturms nicht das Aus für den Markt bedeutet hat, und dass die Stadt Bonn bzw. das Sport- und Bäderamt uns die Nutzung des Platzes erlaubt (inklusive Zugang zu Starkstrom)! Und wir freuen uns darüber, dass das Angebot so gut angenommen wird und es trotz zwischenzeitlicher Minimierung der Stände (aus verschiedenen Gründen) aktuell wieder viele tolle Lebensmittel, Getränke und Pflanzen zu kaufen gibt. Und Pizza aus dem mobilen Steinofen essen kann man auch!

Andere Wege der Direktvermarktung

Erdbeeren und Spargel im Fahrradkorb

Neben der Marktschwärmerei und dem Bauernmarkt nutze ich auch regelmäßig andere Wege der Direktvermarktung. Aber ganz ehrlich: Der Freizeit-Freude-Aspekt ist dabei wesentlich größer als die Notwendigkeit, für unser tägliches Essen einzukaufen. So radeln wir im Mai gerne ein paar Kilometer aus der Stadt heraus, wo es (in Bornheim) einige Höfe und Straßenstände gibt, an denen man auch am Sonntag Spargel und Erdbeeren erwerben kann.

In der von Landwirtschaft geprägten Umgebung gibt es auch ein paar Hofläden. Da würde ich gerne häufiger einkaufen, aber wir haben kein Auto, und daher bleibt es beim gelegentlichen Ausflug.

Beim Biohof Bursch durfte ich anlässlich einiger Blogger-Events hinter die Kulissen schauen, und den Hofladen Hartmann habe ich während der Supermarkt-Challenge besucht. Meine Berichte dazu findet ihr hier:

Ehrenamtliches Engagement, Events und Gärtnerfreuden

Dass ich Mitglied im Stadt.Land.Markt. e. V. bin, hatte ich ja schon geschrieben. Zum Glück läuft das dank unseres Vorstands und der Eigenorganisation der Marktbeschicker so gut, dass ich mit dem eigentlichen Marktgeschehen nicht viel am Hut habe. Aufgrund meines Jobs, den ich wirklich sehr mag, bin ich im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Aber die Zeit für die Website, die Facebook-Seite und das Instagram-Profil muss ich natürlich auch erstmal übrig haben.

agrikultur-festivalAußerdem bin ich noch in der Initiative zur Gründung eines Ernährungsrates für Bonn und Umgebung aktiv, für die wir auch schon lange über eine eigene Website nachdenken, die aktuell in Arbeit ist. Im vergangenen September haben wir ein Agrikultur-Festival auf dem Bonner Münsterplatz organisiert, bei dem sich rund 40 Erzeuger und Initiativen aus der Region präsentiert haben. Den Bericht dazu findet ihr unter bonnimwandel.de/das-erste-bonner-agrikultur-festival-ein-voller-erfolg.

Einen Beitrag zu eurer ganz persönlichen, regionalen Ernährungsversorgung könnt ihr auch leisten, indem ihr Gemüse und Obst selbst anbaut. Das geht zum Beispiel in einem Selbsterntegarten oder auf einem Mietacker, die es mittlerweile in vielen Städten gibt. Ich hatte im letzten jahr einen Ackerstreifen kurz vor der Bonner Stadtgrenze gemietet, auf dem ein Bauer schon drei Viertel der Fläche mit Bio-Saatgut und Pflanzen bestückt hatte. Das Aus-der-Stadt-Radeln hat Spaß gemacht und das Hacken und Ernten war eine helle Freude (das Töten der Kartoffelkäfer weniger). Aber abgesehen von dem hohen Gießaufwand im letzten Sommer war der Ernteertrag nicht wirklich bedarfsdeckend. Meine Wertschätzung für Lebensmittel und vor allem für diejenigen, die diese täglich für uns erzeugen, hat sich dadurch aber noch einmal erhöht.

melas Garten

Dieses Jahr reicht es bei mir aus Zeitgründen weder für den Mietacker noch für eine Beteiligung an einem Kleingarten, aber auf dem Balkon lässt es sich auch schön gärtnern. Natürlich ist das nichts, was mich mengenmäßig wirklich weiterbringt. Und die regionale Wertschöpfung fördert es auch nicht. Aber den Zuckererbsen beim Wachsen zuzusehen, ab und zu mal Rosmarin für Ofenkartoffeln zu schneiden oder einen Salat mit Kapuzinerkresse zu dekorieren, macht mich einfach glücklich. Von meiner Mini-Erdbeerernte ganz zu schweigen…

Balkongärtnern

Mein Fazit zu regionalen Lebensmitteln

Natürlich ist es meiner freiberuflichen Tätigkeit als Oecotrophologin, Texterin und Redakteurin im Bereich Ernährung, Lebensmittel und Nachhaltigkeit geschuldet, dass ich mich so viel mit regionalen Lebensmitteln beschäftige. Und auch im Privaten ist mir das Thema eine Herzensangelegenheit. Trotzdem gebe ich zu, dass ich recht häufig Kompromisse eingehe, weil ich im stressigen Alltag pragmatisch sein muss und mich (zumindest vor Corona war das so) häufig Termine davon abhalten, montags den Abholtermin für die Marktschwärmerei wahrzunehmen oder donnerstags über den Bauernmarkt zu schlendern. Und manchmal habe ich einfach Lust etwas zu kochen, auch wenn es die Zutaten gerade nicht aus der Region gibt. Es ist also eine ganz persönliche Entscheidung, wie viel Zeit (und ggfs. auch Geld) man aufwenden möchte, um regional einzukaufen und die regionale Wertschöpfung voranzutreiben. Ich finde, es lohnt sich auf jeden Fall, in Richtung Regionalität zu gehen – auch wenn es nur kleine Schritte sind!

In Ergänzung zu meinem subjektivem Bericht bekommt ihr einen sachlichen und informativen Zugang zu dem Thema im oben erwähnten Artikel: www.bzfe.de/inhalt/regionale-lebensmittel. Darin findet ihr auch jede Menge Tipps und Links zu weiterführenden Informationen.

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