melas Montag – KW 35_2020

melas Montag Spezial

Gutachten für eine nachhaltigere Ernährung

Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) hat am 21. August 2020 eine umfassende Analyse unseres Ernährungssystems und seiner politischen Steuerung in Deutschland vorgelegt. Das Ziel war es, weniger nachhaltige von nachhaltigeren Ernährungsweisen zu unterscheiden und aufzuzeigen, was Politik dafür tun kann, dass sich Menschen nachhaltiger ernähren.

Die Autor*innen der Analye stellen auf nachhaltigere-ernaehrung-gutachten.de zentrale Ergebnisse und daraus abgeleitete Empfehlungen für die Entwicklung einer integrierten Politik in Deutschland vor. Integrierte Ernährungspolitik nimmt alle vier zentralen Dimensionen einer nachhaltigeren Ernährung in den Blick, die „Big Four“ Gesundheit, soziale Ziele, Umwelt- und Klimaschutz sowie Tierwohl.

Dass wir uns zukünftig nachhaltiger ernähren müssen (und können), ist unbestritten. Wer dazu in welcher Form beitragen kann oder sollte (Politik, Wirtschaft oder Verbraucher*innen), wird jedoch gesellschaftlich sehr kontrovers diskutiert.

Pressemitteilungen und -berichte zum Gutachten

Wie es bei solch hoch aufgehängten Themen meist ist, gibt es eine Fülle an Presseberichten zum WBAE-Gutachten. Die Frage, inwieweit die Politik in unseren Alltag eingreifen kann und soll, sollte man sich beim Lesen auf jeden Fall stellen. Politische Instrumente wie eine beitragsfreie und qualitativ hochwertige Kita- und Schulverpflegung sowie Preisanreize für eine nachhaltigere Ernährung finde ich schonmal gut. Denn, wie Harald Grethe von der Humboldt-Universität zu Berlin, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats, bei der Übergabe des Gutachtens an Bundesministerin Julia Klöckner sagte:

Die so dringend nötige ökologische Transformation wird nur akzeptiert werden, wenn wir sie sozialverträglich gestalten.

Die komplette PM der Humboldt-Uni gibt es beim Informationsdienst Wissenschaft (idw).

Im interdisziplinär besetzten WBEA-Gremium sind auch zwei Vertreterinnen aus dem Wissenschaftlichen Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) vertreten: Vizepräsidentin Prof. Dr. Britta Renner und Prof. Ulrike Arens-Azevêdo. Unter den 9 zentralen Politikempfehlungen des Gutachtens zu einer nachhaltigeren Ernährung spielt der flächendeckende und verpflichtende Einsatz der DGE-Qualitätsstandards für die Gemeinschaftsverpflegung eine bedeutende Rolle. Mehr dazu auf dge.de.

Die Konstanzer Psychologin Britta Renner, ebenfalls federführend am Gutachten beteiligt, sagt:

Um nachhaltigere Ernährungsentscheidungen in der Breite der Bevölkerung und im Alltag zu ermöglichen, benötigen wir einen fairen Rahmen in Form von verständlichen Informationen, einem einfacheren Zugang, mehr Wahlmöglichkeiten und Preisanreizen, die die nachhaltigere Wahl attraktiver machen. (…) Das Gutachten zeigt, dass unser Ernährungsverhalten oft das Ergebnis von uns in dem Moment nicht bewussten Einflüssen ist, die durch unsere Ernährungsumgebung geprägt werden. Der Einfluss der Ernährungsumgebung ist damit sehr weitreichend und wirkt nicht nur in der Phase des Konsums, sondern bereits durch die Exposition, den Zugang und im Rahmen der Auswahl von Lebensmitteln.

Quelle: Pressemitteilung der Uni Konstanz

Oda Lambrecht hat das Gutachten für tagesschau.de zusammengefasst.

Interessant finde ich es auch, wie unterschiedliche Institutionen und Fachmedien das Gutachten bewerten. Ich habe mal diese beiden Links für euch herausgepickt:

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